Ignacio Martinez

Dafins, ein eigenständiger  Dorfteil der Gemeinde Zwischenwasser, ist eine kleine Streusiedlung am Hang über dem Vorarlbergischen Rheintal. Sanft eingebettet in die umliegend ansteigenden, bewaldeten  Hänge, eröffnet sich von dort gegen Südwesten ein spektakulärer Blick auf Feldkirch und Umgebung, gehalten durch die imposanten Schweizer Alpen.
Das Haus Marte ist oberhalb des Zentrums am Ortsende zu finden.  An einer der letzten Kurven der engen Dorfstraße reckt sich wacker ein kompaktes, einfaches Bauernhaus in Holz auf gemauertem Sockel aus dem steilen Terrain, anschließend ein für diesen Landstrich typischer Birnen Hochstämmer.  Dahinter bleibt das Auge an einem Ensemble mehrerer Körper in Beton und Stahl hängen.  Zusammen bilden sie ein Ensemble aus quaderförmigem, liegendem und stehendem Volumen, klar abgegrenzt gegen das satte Grün der Wiesen, scheinbar dem Boden entwachsen.  Dazwischen spannen sich mehrerer Ebenen auf, spielen geschickt mit den zu überwindenden Höhen und fügen die Summe der Einzelteile zu einem Ganzen.
Dem räumlichen Ansatz eines Adolf Loos oder Josef  Frank folgend, entwickelt sich das Haus zum Gefüge aus Weg und Platz. Schon im ursprünglichen Entwurf, dieser kam zur Jahrtausendwende zur Ausführung, finden deren grundlegende gestalterischen Prinzipien im Haus Marte Eingang: räumliche Differenziertheit durch gezielte Abfolgen von weiten und engen, niederen und hohen Räumen, verbunden durch ein System an Wegen, Treppen, kleinen und größeren Plätzen; Inszenieren von Blickbezügen und räumlichen Verschränkungen, Einbeziehen des Natur- und Landschaftsraumes, kurzum das Schaffen komplexer, räumlicher Gefüge mit innerer und äußerer Kontextualtiät.
So birgt das Haus Qualitäten, die es zu entdecken gilt. Es offenbart sich nicht auf den ersten Blick, sondern entfaltet sich im Begehen, beim Durchschreiten. Die klare Zonierung von Privat und Öffentlich gewährt sparsame, verheißungsvolle Einsichten. Feinheiten wie Wandversätze, Vorlegestufen, optische Umlenkungen durch kleine Manipulation in Grundriss und Schnitt resultieren in einem ausgeklügelten, nur mit geschultem Auge wahrnehmbaren Ineinanderfügen.
Das Haupthaus ist ein scharfkantiger zweigeschossiger Körper aus Sichtbeton, gelandet im steilen Hang wie ein Meteorit. Selbst die Aufsicht darauf gibt nichts anderes preis – die oberste Decke, vorgespannt und hydrophobiert, kommt ohne Dachfolie und Attika aus. Bündig und großformatig sind Glasflächen in Alu gerahmt, unterstreichen den hermetischen Charakter. Aus dem Sockel schälen sich die beiden Aufenthaltsräume – Kochen/Essen und Wohnen, der eine schmal und lang, der andere quadratisch und hoch. Schichten von Glas trennen und verbinden – die beiden Räume , obwohl auf gleichem Niveau, sind einer mediterranen Stadt gleich, durch eine Wege-, Platz-, Treppenanlage miteinander verbunden. Mit langem, flachem Tritt schwebt der Gast über ein paar Stufen in den lichtdurchfluteten Wohnraum.
Innen ist die harte Schale allflächig mit Sperrholz bekleidet,  Details sind dabei auf ein Minimum reduziert – Wandschränke, Boden, Wand, Decke, Türen verschmelzen zu einer Haut, versetzen die handelnden Personen in die Einfachheit eines minimalistischen Bühnenraumes. Ganz anders die Kinderzimmer. Äußerst knapp bemessen an Quadratmetern, aber reich an Aussicht, tut sich dort eine Prinzessinnenwelt auf – farbig, kleinteilig, individuell. Mittlerweile teilten sich fünf Töchter die zwei Kinderzimmer – einer Erweiterung des eigentlichen, austernhaften Raumgefüges war nicht mehr zu entrinnen.

Marina Hämmerle

© Ignacio Martinez
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© Marc Lins
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Haus Marte
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