© Marc Lins
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Was war der wuchtigen Erscheinung des Haus Marte in Beton, diesem rohen, steinernen Material, entgegen zu halten, was der in sich geschlossenen Form? Oxidierender Stahl: Ebenso roh, ebenso wahrhaftig in seinem Ausdruck und seinem Verhalten. Die innere Anmutung bleibt die gleiche – hölzern, warmtonig, feinporig. Die neue äußere Gestalt hingegen maskulin, aufstrebend, sich aus dem Terrain erhebend, dem nahe stehenden Birnbaum gleich. Dass sich dahinter ein Leichtbau befindet, mag einer trojanischen Finte entstammen. Dazwischen spannt sich ein neuer Raum auf, ergänzt durch einen in die Erde gedrückten Pool – kompromisslos, hart, wenig vernunftbetont, dafür märchenhaft, eigensinnig und sinnlich. Oxidierender Stahl an Boden und Wänden, hermetisch wie eine Ritterrüstung. So erscheint auch der Turm mit seinen stählernen Lüftungsklappen gen Süden und Norden, den Fixverglasungen nach Osten. Rapunzel, Rapunzel…. Über die Bibliothek, ein paar Stufen hinab in die eigenständige Küche und den dem Pool vorgelagerten Essraum, entschwinden die Prinzessinnen mittels Wendeltreppe in ihre Gemächer. Dort eröffnen sich ihrem Sichtfeld zum einen das schützende Elternhaus, zum anderen der reizvolle angrenzende Wald. Orientierung und Freiheit spiegeln sich in der Raumperspektive, ein Sinnbild ihrer innerfamiliären Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Hermetik des Konzeptes scheint groß und dominant. In seiner Benutzung zeigt sich hingegen Erstaunliches an Freiraum, wird Respekt vermittelt und sind Grenzen gezogen. Diese garantieren das gemeinschaftliche Leben auf relativ engem Raum, gestatten Rückzug und Partizipation.  Unvergleichlich das Ambiente für die Mädchen. Wenn tatsächlich die ersten Lebensjahre prägend sind für unsere räumlichen Sehnsüchte, dann haben diese Mädchen ihren Prinzen etwas sehr Wertvolles an persönlicher Erfahrung voraus: das Leben in manifestierter Wertschätzung.

Marina Hämmerle

© Marc Lins
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Mädchenturm
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